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Für die Fische stehen die Zeichen auf Tragödie

Der Sommer 2022 sorgt zwar für Italianità, für viele Fische geht es aber um das nackte Überleben. Die Wassertemperaturen sind zu hoch, vielerorts stehen Fischsterben unmittelbar bevor. Der Schweizerische Fischerei-Verband SFV befürchtet, dass sich die Hitzesommer 2003 und 2018 wiederholen.

Hohe Wassertemperaturen, tiefe Wasserstände, fehlende Beschattung und Rückzugshabitate: Das sind gemäss Schweizerischem Fischerei-Verband SFV die grössten Probleme insbesondere für kältebedürftige Fischarten. Der SFV orientiert sich an folgenden Temperaturen:

  • Ab 20 Grad: Stress für kältebedürftige Fischarten wie Forellen und Äschen.
  • Ab 22/23: kritische Grenze erreicht, zunehmend Sauerstoffmangel.
  • Ab 25 Grad, über längere Zeit: für kältebedürftige Fischarten oft das Todesurteil, grossfläche Fischsterben sind zu befürchten.

 

Kommt es zum Massensterben wie 2003?

Mit grosser Sorge stellt der Schweizerische Fischerei-Verband fest, dass die Wassertemperaturen stark gestiegen sind und kaum Regenschauer in Sicht sind. Es werden Erinnerungen an die Hitzesommer 2018 und 2003 wach. 2018 kam es zu lokalen Fischsterben, insbesondere am Rhein in Schaffhausen sowie in Bächen und Forellenregionen. Landesweit ist man knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. 2003 hingegen fand ein nationales Fischsterben statt.

„Im Moment sieht es schlecht aus, kältebedürftige Fische wie Forellen und Äschen leiden stark“, sagt David Bittner, Geschäftsführer des Schweizerischen Fischerei-Verbandes. „Alle Zeichen deuten darauf hin, dass wir auf eine Tragödie zusteuern“, so Bittner.  Das Kernproblem umschreibt er so: „Mit den wärmeren Wassertemperaturen sinkt der zum Atmen benötigte Sauerstoff und sensitive Fische drohen zu ersticken.“

 

Bevölkerung kann mithelfen

Der Schweizerische Fischerei-Verband kann das Wetter nicht beeinflussen, bittet die Bevölkerung zu tun, was möglich ist:  

  • Keine Wasserentnahmen durch die Landwirtschaft und Private.
  • Bauarbeiten am und im Gewässer unterbrechen; starke Trübungen des Wassers stressen und schädigen die Kiemen der Fische.
  • Hunde an andern Orten baden und schwimmen lassen.
  • Kein unnötiger Schiffsverkehr, insbesondere in Flachwasserzonen.
  • Fischerinnen und Fischer verzichten temporär auf das Angeln und auf die kältebedürftigen Fischarten wie Forelle und Äsche.
  • Naherholungssuchende an Gewässern vermeiden zusätzlichen Stress für die kälteliebenden Fischarten.
  • Rückzugsorte der Fische wie tiefe Kolke, Grundwasseraufstösse sowie Zuflüsse und beschilderte und speziell ausgewiesene Wasserstellen respektieren.
  • Keine Staudämme in die Bäche bauen, da sie für Fische als Fallen wirken.
  • Bedrohliche Situationen wie austrocknende Bäche oder Fischsterben sofort den Behörden beziehungsweise der Polizei melden.

 

Klima- und Biodiversitätskrise

Die globale Erderwärmung und die Häufung von Hitzeereignissen zeigen, wie der Klimawandel Realität geworden ist. Die aquatischen Lebensräume sind speziell unter Druck, nicht nur während Hitzeereignissen. Drei Viertel aller einheimischen Fischarten sind gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Die Fischbestände befinden sich seit Jahrzehnten im Abwärtsflug.

Umso wichtiger ist für den Schweizerischen Fischerei-Verband und die kantonalen Verbände die nachhaltige Aufwertung der Gewässerlebensräume mit attraktiven Fischhabitaten und Rückzugszonen und insbesondere Beschattungen – einerseits mit grossen Revitalisierungsprojekten, anderseits mit schnellen lokalen Massnahmen wie es mit dem SFV-Programm „Fischer schaffen Lebensraum“ möglich ist. Und: „Wir müssen nicht nur überlegen, wie wir mit unserer Natur umgehen, wir müssen auch endlich wirklich handeln“, gibt Bittner ganz grundsätzlich zu bedenken.



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